Organspende – Wem gehört später mein Herz?

Hallo zusammen,

jeden Tag eine gute Tat, so das Motto der Pfadfinder. Aber was ist eigentlich, nachdem unsere Tage gezählt sind? Selbst dann können wir noch Gutes tun, indem wir uns für eine Organspende nach unserem Tode entscheiden. Welche Rechte ein Organspender hat, ab wann ein Organ entnommen werden darf und woran festgelegt wird, wer dieses Organ letztendlich bekommt, soll hier nun aus aktuellem Anlass geklärt werden.

Derzeit liest und hört man es fast überall: Organspendeskandal!

Offensichtlich scheint bei dem Prozess der Organtransplantation und -spende in einigen Krankenhäusern etwas schief gelaufen zu sein. Schließlich gibt es jetzt sogar eine Diskussion über härtere Strafen für den ‚illegalen Organhandel‘. Um die Umstände klarer werden zu lassen, und auch um Euch die Angst vor dem Missbrauch zu nehmen, fangen wir zunächst ganz von vorne an.

Wer darf eigentlich seine Organe spenden und wie sind die Voraussetzungen?

Erst einmal: Es gilt der Grundsatz der Freiwilligkeit der Organ- und Gewebespende. Keiner wird zur Organspende gezwungen!

Das Transplantationsgesetz erlaubt Jugendlichen ab dem 16. Lebensjahr, ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende schriftlich festzulegen. Um diese Entscheidung für eine Organspende dokumentieren zu können, stellen die Krankenkassen bzw. Versicherungsunternehmen kostenlos Organspendeausweise zur Verfügung. Auf dem Organspendeausweis kann festgelegt werden, ob man zur Organspende bereit ist und welche Organe nicht zur Transplantation freigegeben werden sollen. Auch wenn eine Organspende ausgeschlossen ist, kann dies vermerkt werden. Egal, welche Entscheidung für Euch die richtige ist: Es lohnt sich in beiden Fällen, immer einen Organspendeausweis dabei zu haben. Nach oben hin gibt es übrigens keine Altersgrenze.

Liegt keine Einverständniserklärung des Verstorbenen vor, werden die nächsten Angehörigen befragt, ob sie einer Organspende am Verstorbenen zustimmen.

Für eine Organspende nach dem Tod ist eine ärztliche Untersuchung zu Lebzeiten nicht erforderlich. Die Organe dürfen lediglich nicht entnommen werden, wenn der Verstorbene an einer akuten Krebserkrankung litt oder HIV-positiv war. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärztinnen und Ärzte, ob eine Organ- und Gewebespende veranlasst werden kann.

Bei einer Gewebespende ist entscheidend, ob die Organe gesund und funktionsfähig sind. Deshalb werden bei dem Verstorbenen beim Vorliegen einer Einverständniserklärung vor Entnahme der Organe oder des Gewebes verschiedene Untersuchungen zur Funktionsfähigkeit durchgeführt.

Es kann auch eine Lebendorganspende erfolgen – bspw. das Spenden einer Niere.

Ihr könnt bereits zu Lebzeiten durch eine Organspende eine gute Tat vollbringen und Leben retten! Hierbei gibt es aber einige Einschränkungen: So ist die Lebendspende nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades erlaubt. Bspw. kommen Eltern oder Geschwister der empfangenden Person in Betracht (vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, www.organspende-info.de).

Wann dürfen die Organe entnommen werden?

Abgesehen von Lebendorganspenden, dürfen erst nach der Feststellung des Todes ein oder mehrere Organe entnommen werden.

Ein sicheres Zeichen für den Tod ist ein langanhaltendes Aussetzen der Gehirnfunktion. Denn wenn das Gehirn nur für wenige Minuten ohne Blut- und somit auch ohne Sauerstoffversorgung bleibt, kann das Gehirn irreparabel beschädigt werden. Dies macht sich in Funktionseinbußen deutlich. Trotz künstlicher Beatmung und aufrechterhaltener Herztätigkeit wird das Gehirn dennoch nicht mehr mit Blut versorgt, so dass die Hirnzellen zerfallen. Diesen endgültigen, nicht behebbaren Ausfall der Hirnfunktion, bezeichnet man als Hirntod.

Wer stellt den Tod fest?

Der Hirntod des Verstorbenen lässt sich durch verschiedene Untersuchungen feststellen. Das Vorgehen bei der Diagnosefestlegung ist durch die Richtlinien der Bundesärztekammer streng vorgegeben. Im Transplantationsgesetz ist verankert, dass die Hirntodfeststellung von zwei Ärztinnen bzw. Ärzten unabhängig bestätigt und in dem sogenannten Hirntodprotokoll festgehalten werden müssen. Damit ein Interessenskonflikt ausgeschlossen ist, dürfen die diagnostizierenden Ärzte nicht selbst an der Organ- und Gewebeentnahme oder Transplantation beteiligt sein.

Wer entscheidet wer die gespendeten Organe bekommt?

Hierfür gibt es die deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Ziel der DSO ist es, Menschen, die auf den sogenannten Wartelisten stehen, so schnell wie möglich eine Transplantation zu ermöglichen, sobald ein geeignetes Organ zur Verfügung steht.

Wie läuft der Prozess der Organspende ab?

Sobald bei einer Patientin oder einem Patienten im Krankenhaus der Verdacht auf Hirntod besteht, wird die zuständige regionale Koordinierungsstelle der DSO informiert. Die DSO vermittelt dann bei Bedarf unabhängige Neurologinnen oder Neurologen, die die Diagnostik nach den strengen Vorgaben der Bundesärztekammer durchführen. Dann muss die Einwilligung der Verstorbenen geklärt werden.

Liegt die Zustimmung zur Organspende vor, übermittelt die DSO die Daten des gespendeten Organs an die Stiftung Eurotransplant. Dort wird nach medizinischen Kriterien, wie Erfolgsaussicht und Dringlichkeit, eine passende Empfängerin oder ein passender Empfänger auf der Warteliste ermittelt.

Um die Empfängerin oder den Empfänger zu schützen, veranlasst die DSO nun verschiedene Laboruntersuchungen, die die oben genannten Erkrankungen ausschließen. Zusätzlich werden die Organfunktionen, die Blutgruppe und die Gewebemerkmale getestet. Die DSO leitet die Daten weiter und organisiert den Organtransport. Während die Organe entnommen und für den Transport übergeben werden, bereiten die Chirurginnen bzw. Chirurgen die Empfängerin oder den Empfänger für die Transplantation vor.

Woher bekomme ich einen Organspendeausweis?

Viele Haus- und Fachärzte haben mittlerweile in ihren Wartezimmern Organspendeausweise und die dazugehörige Informationsbroschüre ausliegen. Ebenfalls findet man Informationen rund um Organspende auf der unten angegebenen Seite.

Hier könnt Ihr den Organspendeausweis anfordern oder in einem handlichen Format ausdrucken

Weitere Informationen zum Thema erhaltet Ihr ebenfalls auf der oben genannten Seite und auf den Seiten der Deutschen Stiftung Organtransplantation

Die Vorschläge zur Änderung der Gesetze und die Diskussion über den Organspendeskandal findet ihr auf den angegebenen Seiten

Bleibt gesund!
Euer Matic

12 Kommentare zu Organspende – Wem gehört später mein Herz?

  • Lisa

    Danke für diesen aufklärenden Artikel.

    Ich hoffe, dass sich in nächster Zeit wieder mehr Menschen mit dem Thema Organspende befassen werden. Der Skandal, der stattgefunden war hat ja schon zu einem spürbaren Nachlass des Vertrauens geführt, was ich sehr schade finde, denn Organspende rettet Leben!

    • Chris

      Hi, damit man mit weniger gewissensbissen mit dem Thema Organspende umgehen kann, helfen unter anderem Wege im spirituellem Bereich, für Fortgeschrittene z.B. die Erkentnis, das wir zum einen aus Fleisch und Blut und zum anderen aus einer Seele bestehen. Die Seele kann nicht sterben, sie ist unser Lebensfunke der weitergeht, nur unser Köprer ist vergänglich, sterblich, verletzlich. Es ist umso einfacher mit diesem Thema umgehen, wenn man, ohne hier eine Glaubensdebatte auslösen zu wollen, an Gott glaubt, ist aber keine Vorraussetzung. Das Bewusstsein über die Existenz von gut und böse kann ausreichend sein. Hiermit will ich auf die moralische Frage antworten die sich manch einer stellt, wer kiregt eigentlich mein Organ, ein guter oder ein schlechter Mensch, hat der das überhaupt verdient?? Hier kann auch das Vertrauen an Gottes einzig und allein richtigen Wege hilfreich sein. Ich kann jeden der darüber nachdenkt Organspender zu werden insofern beruhigen, niemals wird das Gute jemanden mit Nachteilen dafür bestrafen, gutes zu tun. Auch wird die Angst davor bei vielen davon beinflusst, sich zu Entscheiden Organspender zu werden, durch die Befürchtung, somit dem Tod etwas näher zu rücken, eventuell ihr Todesurteil damit zu unterschreiben; dazu kann ich nur sagen, unsere Zeit kommt wenn sie kommen soll, dies wird niemals davon zum negativen beinflusst, die Entscheidung zu treffen anderen helfen zu wollen und gutes zu tun.

  • Frauke Schmitz

    Na daß sich der Hirntod zweifelsfrei feststellen lässt, ist ja schonmal eine Lüge. Die klinischen Tests erfassen längst nicht alle Bereiche des Gehirns und auch das EEG misst lediglich in die Gehirnrinde. Das CT kann zwar grob feststellen, ob das Gehirn noch durchblutet ist, aber die Hirnaktivität misst das CT nicht. Wie also soll sich der Hirntod zweifelsfrei erkennen lassen.
    Zudem werden Abwehrbewegungen als Rückenmarkreflexe abgetan.
    Tote die sich bewegen ? Ja die sich sogar gegen Schmerzen wehren und dessen Blutdruck während der Explantation rapide ansteigt ?
    Diese Toten gibt es erst, seit Transplantation möglich ist.

  • Peter

    Ich finde es immer noch befremdlich, dass es so viele Vorurteile gegen Organspende gibt. Selbst in unserer aufgeklärten Gesellschaft wird dieses wichtige Thema mit Verschwörungstheorien verbunden. Das kurze Aufflammen der Diskussion ist ja nun leider wieder abgeebbt.

  • Hallo Ihr und insbesondere Hallo Frauke,

    ich habe das Wort ‚zweifelsfrei‘ auf Fraukes Kommentar hin aus dem Blogartikel gestrichen. Sie hat Recht damit, dass die Feststellung des Hirntods einer der größten Diskussionspunkte in der aktuellen Organspendedebatte ist. Das wollte ich nicht übergehen. Mit meinem Blog will ich Euch vor allem darauf hinweisen, wie wichtig es ist, einen Organspendeausweis auszufüllen und mit sich zu führen – unabhängig davon, ob man sich nun für oder gegen eine Spende entschieden hat. So ist notiert, was im Falle eines Falles geschehen soll, und Eure Wünsche können berücksichtigt werden.

    Bleibt gesund
    Euer Matic

    Für diejenigen, die mehr Infos möchten: Es gibt unterschiedliche Methoden, den Hirntod erkennen zu können, darunter das EEG. Wie dieses Verfahren funktioniert, könnt Ihr Euch gerne im Detail auf den Seiten der DSO ansehen. Hier der Link zur genaueren Erklärung der Hirntoddiagnostik: http://www.dso.de/organspende-und-transplantation/hirntoddiagnostik.html

  • Alexander

    Herzlichen Dank, Matic, für diese sehr gute, klare Zusammenfassung wesentlicher fragen und Antworten! Ich werde dieses wichtige Thema weiter verfolgen.
    Alles Gute!

  • Marc

    Ich kann Lisa nur zustimmen.

    Ich finde Regelungen aus anderen Ländern auch sehr sinnvoll, bei denen jeder standardmäßig Organspender ist und nur durch eine aktive Abmeldung dies widerrufen kann.
    Ich glaube nicht, dass die Leute nicht dazu bereit wären. Sie scheuen eher den Schritt.

    Viele Grüße,
    Marc

  • Daniel R.

    Ich finde auch, dass immernoch zu wenig Menschen Organspender sind. Es gibt ja auch die Möglichkeit einzelne Organe auszuschließen. Ich selber bin auch Organspender und schon stolz darauf.

    Aber gerade der Organspendeskandal dieses Jahr macht natürlich die ganze Sache nicht leichter. Ich finde, es gehört einfach mehr Aufklärung zu der ganzen Sache. Die Menschen müssen dahingehend sensibilisiert werden für das Thema, das jeder mal in die Lage kommt ein Organ zu benötigen.

    Letzens habe ich erst einenm Bericht im Fernsehen gesehen, wo sie einer stark verbrannter Frau in Amerika die Haut einer Toter transplantiert haben. Die Tochter der Verstorbenen wollte die Empfängerin unbedingt kennenlernen und freut sich nur, ihre Mutter auch weiterhin sehen zu können. Eine sehr bewegende Geschichte!

  • Yasmin

    Hallo, ich war gerade auf der Suche nach Infos über den Organspendeskandal und wurde von Google unter anderem hierher verwiesen. Wenn ich schon mal hier bin, will ich auch nette Grüße hinterlassen. Es ist sehr schade, dass durch das Fehlverhalten einzelner Ärzte nun vielleicht Menschen sterben müssen, die nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten.

  • Jonas

    Gut, dass man sich hier mit der Frage auseinandersetz, die sich so viele Fragen. Habe mich auch eine Zeitlang gefragt was mit meinen Organen passiert und nun weiß ich dass die Organspende ein wirklich gute Sache ist, denn viele Menschen leben mit Organen die ihr Alltag anstrengend machen und auch für die allgemeine GEsundheit belastend ist.

  • David

    habe letztens einen Artikel gelesen in dem stand,dass es immer weniger Menschen gibt, die zu eine Organsopende ja sagen. Gründe sidn unter anderem die Unsicherheit, was wirklich mit den Organen passiert. Deswegen finde ich es gut, dass hier alle Fakten auf den Punkt gerbacht werden. Als Sportler werde ich natürlich auch meine Organe spenden und ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menshcen “ja” zu einer Organspende sagen. Denn es betrifft uns alle!

  • Jana vom Abnehmen Blog

    Organspende ist so eine Sache. Ich persönlich bin nicht abgeneigt. Habe allerdings noch keinen Spenderausweis. Der Gedanke dass nach meinem Tod in meinem Körper herumgeschnippelt wird wie in der Metzgerei macht mir eben zu schaffen. Dennoch würde ich gerne helfen. So oder so. Man muss sich damit auseinander setzen und selbstverständlich auch die Familie und Freunde mit einbeziehen.

    LG Jana

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